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Ich muss gestehen, dass ich Puppen immer als Kinderspielzeug betrachtet habe - bis zu dem Zeitpunkt an dem ich begann selbst Puppen zu machen.

Erzählt jemand er würde künstlerisch tätig sein und Bilder malen oder der Bildhauerkunst nachgehen so werden diese Tätigkeiten ganz selbstverständlich als Kunst angesehen und auch dementsprechend honoriert.

Viele Jahre habe ich damit verbracht Ölbilder zu malen oder Skulpturen zu formen, bevor ich mit dem Puppehandwerk begann. Viele Menschen wissen nicht, dass Puppenmachen da anfängt, wo die Bildhauerkunst aufhört



Vielleicht wird es durch die folgende kurze Geschichte etwas leichter zu verstehen sein:

Unser Wohnzimmer habe ich mit einigen Puppen und auch anderen Skulpturen von mir geschmückt. Vor einiger Zeit stellte uns einer unserer Söhne seine neue Freundin vor. Sie wußte, dass ich Künstlerpuppen anfertige - doch darunter vorstellen konnte sie sich nichts. Als sie dann die Puppen im Wohnzimmer sah dachte sie sich "ja nett. schaut ja ganz hübsch aus" - und das wars. Einige Zeit später kam sie in meine Werkstatt und sah mehrere Tonbüsten (selbstmodellierte Puppenköpfe) an denen ich gerade arbeitete. Sie war von den Tonbüsten so beeindruckt und begeistert, dass sie meinte diese müssten unbedingt in einer Kunstgalerie ausgestellt werden. Sie brachte also, wie die meisten anderen Menschen auch, der Skulptur wesentlich mehr Bewunderung entgegen als der fertigen Puppe, obwohl eine Skulptur erst der Anfang einer Puppe ist.



Der erste Schritt ist also eine Skulptur (sei es nach einem Portraitbild oder frei erfunden) zu bauen. Danach müssen von dieser Skulptur Gipsformen ( jeder Arm, jedes Bein, Oberkörper, Kopf und Schuterplatte seperat) angefertigt werden.Wobei eine Gipsform aus mehreren Einzelteilen besteht, damit das fertige Porzellanteil herausgenommen werden kann. Allein das Anfertigen solcher Formen benötigt normalerweise viele Jahre des Lernens und der Übung. Zudem ist es auch eine sehr anstrengende körperliche Arbeit. Handelt es sich um grosse Einzelteile, so kann eine Gipsform bis zu 30 Kilo wiegen. Eine Gipsform für ein Einzelteil anzufertigen nimmt durchschnittlich einen ganzen Tag in Anspruch - eine Puppe besteht normal aus 6 Einzelteilen.

Angenommen die Gipsformen sind fertig, wird nun Porzellan in die einzelnen Formen gegossen. Das ist nicht unbedingt schwierig aber körperlich doch ziemlich anstrengend. Der Gips saugt nun das Wasser aus dem Porzellan, so dass sich ein Porzellanfilm an der Innenseite der Gipsform bildet. Ist dieser Film dick genug wird das restliche Porzellan vorsichtig aus der Gipsform herausgegossen. Zu schnelles Herausgießen würde ein Vakuum zur Folge haben das zu einem Zusammenfall des Porzellanteils führen würde. Da Porzellan sehr teuer und die Arbeit wirklich anstrengend ist arbeite ich äußerst vorsichtig, damit so etwas nicht passiert. Nach mehreren Stunden des Trocknens in den Gipsformen werden die Teile nun vorsichtig herausgelöst.

Das herausgelöste Porzellanteil ist zu diesem Zeitpunkt nichts weiter als zusammengepresster Porzellanstaub und muss daher vorsichtiger als rohe Eier behandelt werden. Jede Gipsform besteht aus mindestens zwei (meistens aber mehr) Teilen. Ist das Porzellan nun ausgelöst, befinden sich an den Stellen, an denen die Gipsformen aneinanderlagen "Schnittlinien". diese Linien müssen nun vorsichtig abgeschliffen werden. Desweiteren folgt nun nochmals das Modellieren von Feinheiten (Ohren, Fingernägel, Zähne usw.).Um die Arbeit etwas zu erleichtern und auch um der Gesundheit etwas Gutes zu tun wird das Porzellan bei 800 C vorgebrannt. Somit wird das Einatmen des Porzellanstaubes verhindert und Feinheiten können nun leichter bearbeitet werden, da sich das Porzellan noch naß bearbeiten läßt. Das Verfeinern kann bis zu zwei Tage pro Puppe in Anspruch nehmen. Ist diese Arbeit erledigt, werden die Teile bei 1230 C gebrannt.

Mit etwas Glück zerbricht oder springt nichts während dem Brennvorgang. Das ist allerdings nicht immer der Fall. Porzellan liebt es, sich zu verformen und kleine Haarrisse zu bekommen. Kleine Luftblasen im Porzellan, die vor dem Brennen unsichtbar waren können ebenso auftreten und somit zum Problem werden. Jeder dieser Vorfälle bedeutet, einen Neuanfang zu starten, d.h. die Teile müssen weggeschmissen und neu gegossen werden..

Der nächste Schritt ist das Malen. Die Teile müssen sich nun einer "Farbwäsche" und zwei bis drei Detailbemalunegn unterziehen. Nach jedem Bemalen müssen die Teile gebrannt werden, damit die Farben nicht verschmieren. Dieser Arbeitsschritt nimmt etwa 2 - 3 Tage in Anspruch.

Die Pozellanteile sind nun fertig und somit ist auch der schwierigste Teil des Puppenmachens beendet. Nun müssen die Körperteile vermessen, Körper und Kleidung designed werden. Die Einzelteile werden zusammengesetzt, innen mit einem beweglichen Skelett aus Kunststoff versehen das ein gutes Posierien ermöglicht. Die Glasaugen werden eingesetzt und mit Gips fixiert. Anschließend werden die Wimpern angeklebt und die Perücke angepasst und frisiert.

Alles in Allem benötige ich zwischen zweihundert und dreihundert Stunden um eine Puppe zu entwerfen, die Skulptur zu bauen, die Gipsformen zu bauen, die Porzellanteile zu fertigen und zu bearbeiten, bis am Ende ein fertiges Projekt zu sehen ist. Ein Portrait benötigt wesentlich mehr Zeit beim Modelleieren. Denn im Gegensatz zum Portraizeichnen habe ich anhand eines Fotos zwei Dimensionen der ich eine dritte hinzufügen muss, wärend es beim Portraitzeichnen andersherum verläuft. Portraitpuppen anzufertigen benötigt viele Jahre der Übung und bleibt auch danach noch schwierig..

Ich hoffe, dass es für Sie nun etwas verständlicher ist, weshalb diese Künstler- und Portraitpuppen mehr als andere Puppen kosten. Eine Sache die ich noch anbringen möchte ist: der Titel "Artist Signature Edition" bedeutet, dass der Künstler der die Puppe designed hat, diese auch von Anfang bis Ende selbst gemacht hat. Dieser Titel sagt aus, dass bei keinem Arbeitsschritt irgend eine andere Person involviert war.

Diese Puppen sollten nicht mit den nachgemachten Versionen aus China verwechselt werden welche den Kunstdrucken berühmter Bilder gleichkommen.

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